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Was kostet die Entwicklung einer DiGA wirklich?

13. September 2026 · Inter Medien Networks
Was kostet die Entwicklung einer DiGA wirklich?

Eine DiGA wird nicht teuer, weil sie eine App ist. Teuer wird sie, wenn medizinischer Nutzen, Datenschutz, Informationssicherheit und ein belastbarer Betrieb erst kurz vor dem BfArM-Verfahren zusammengebracht werden sollen. Auf die Frage „Was kostet DiGA Entwicklung?“ gibt es deshalb keine seriöse Pauschalantwort. Für eine marktfähige Digitale Gesundheitsanwendung sollten Organisationen je nach Ausgangslage grob mit 200.000 bis 600.000 Euro für Konzeption, Entwicklung und Zulassungsvorbereitung rechnen. Komplexe Versorgungsszenarien, bestehende Systemlandschaften oder ein umfangreicher Evidenznachweis können deutlich darüber liegen.

Entscheidend ist nicht, möglichst günstig zu entwickeln. Entscheidend ist, früh zu klären, welche Anforderungen tatsächlich gelten und welche Produktidee langfristig tragfähig ist. Das verhindert spätere Umbauten, doppelte Dokumentation und einen Go-Live mit Schweißperlen.

Was kostet DiGA Entwicklung im Projektverlauf?

Die Kosten entstehen nicht an einer Stelle. Eine DiGA verbindet ein medizinisches Produkt mit einer digitalen Plattform und einem regulierten Versorgungsangebot. Wer nur die Screens und die Programmierung kalkuliert, rechnet am eigentlichen Projekt vorbei.

Produktstrategie und regulatorische Einordnung

Am Anfang steht die Frage, ob das Vorhaben überhaupt als DiGA geeignet ist. Dazu gehören medizinische Zweckbestimmung, Zielgruppe, Versorgungskontext, Risikoklasse und die Einordnung als Medizinprodukt nach MDR. Auch der geplante positive Versorgungseffekt muss früh konkret werden: Geht es um einen medizinischen Nutzen oder um eine patientenrelevante Struktur- und Verfahrensverbesserung?

Für Workshops, Produktkonzept, Anforderungsanalyse, Architektur und eine erste regulatorische Roadmap liegen typische Budgets häufig zwischen 25.000 und 70.000 Euro. Das wirkt im Vergleich zur späteren Entwicklung überschaubar. Genau diese Phase entscheidet aber darüber, ob Funktionen, Studienplanung und technische Architektur zueinander passen.

Ein häufiger Kostentreiber ist eine Produktidee, die zu spät geschärft wird. Wenn sich etwa während der Entwicklung herausstellt, dass eine einfache Wissensvermittlung nicht genügt und ein therapeutisches Modul, ein angepasstes Onboarding oder eine andere Zielgruppe erforderlich wird, betrifft das Design, Inhalte, Datenmodell und Evidenz gleichzeitig.

UX, Inhalte und therapeutische Logik

Eine DiGA muss im Alltag verständlich und verlässlich funktionieren - auch für Menschen, die Schmerzen haben, erschöpft sind oder nur wenige Minuten Zeit mitbringen. Gute UX ist hier kein optischer Aufschlag. Sie beeinflusst Adhärenz, Sicherheit und die Qualität der erhobenen Daten.

Je nach Umfang sind für UX-Konzept, Nutzerführung, Interaktionsdesign, Designsystem und die Aufbereitung therapeutischer Inhalte 30.000 bis 100.000 Euro realistisch. Enthält die Anwendung umfangreiche Audio- oder Videoinhalte, individualisierte Programme, Fragebögen, Erinnerungen oder mehrsprachige Inhalte, steigt der Aufwand. Fachliche Inhalte benötigen zudem medizinische Verantwortung, redaktionelle Prozesse und klare Freigaben. Eine App mit 30 Übungen ist etwas anderes als ein adaptives Therapieprogramm mit mehreren Indikationen.

Technische Entwicklung und Systemintegration

Für die eigentliche App, ein Backend, Rollen- und Rechtekonzepte, Administration, Schnittstellen und Qualitätssicherung liegt der größte einzelne Budgetblock meist bei 100.000 bis 350.000 Euro. Bei einer klar abgegrenzten Anwendung ohne tiefe Integrationen kann es darunter bleiben. Werden hingegen elektronische Patientenakten, Leistungserbringer-Portale, Termin- oder Abrechnungssysteme, Wearables oder gewachsene CRM- und ERP-Strukturen angebunden, wächst der Aufwand schnell.

Dabei zählt nicht nur die Zahl der Funktionen. Auch die technische Entscheidung hat Folgen für Kosten und Betrieb. Eine Cross-Platform-App kann Entwicklungsaufwand reduzieren, wenn iOS und Android weitgehend dieselbe Nutzerführung benötigen. Native Entwicklung kann sinnvoll sein, wenn Gerätefunktionen, Performance oder spezielle Sicherheitsanforderungen besonders wichtig sind. Eine pauschal bessere Variante gibt es nicht.

Für den DiGA-Betrieb braucht es außerdem mehr als eine Patienten-App. Administrationsoberflächen, nachvollziehbare Freischaltprozesse, Support-Werkzeuge, Monitoring und saubere Datenflüsse gehören dazu. Sonst entsteht nur eine weitere Insellösung, die im Tagesgeschäft manuell gepflegt werden muss.

Datenschutz, Informationssicherheit und Qualitätsmanagement

Bei Gesundheitsdaten sind Abkürzungen selten günstig. Datenschutz nach DSGVO, die Anforderungen der DiGAV, technische und organisatorische Maßnahmen, Sicherheitskonzept, Berechtigungskonzept und Dokumentation müssen in Produkt und Betrieb verankert sein. Hinzu kommen die Anforderungen aus dem Qualitätsmanagement für Medizinprodukte sowie die technische Dokumentation für die CE-Kennzeichnung.

Abhängig von vorhandenen Strukturen sollten hierfür 50.000 bis 150.000 Euro eingeplant werden. Organisationen mit etabliertem Qualitätsmanagement, Datenschutzprozessen und erfahrenen Verantwortlichen starten anders als ein neues Team ohne regulatorische Vorarbeit. Externe Audits, Penetrationstests, Rechtsberatung und spezialisierte Prüfungen können zusätzliche Kosten verursachen.

Der günstige Weg, Sicherheitsanforderungen erst vor der Einreichung nachzurüsten, ist meist der teure Weg. Nachträgliche Änderungen an Anmeldung, Verschlüsselung, Protokollierung oder Hosting ziehen oft Anpassungen in mehreren Komponenten nach sich. Besser ist ein Sicherheitskonzept, das Architektur, Prozesse und Verantwortlichkeiten von Anfang an zusammenführt.

Klinische Evidenz und BfArM-Verfahren

Für die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis ist der positive Versorgungseffekt zentral. Je nach Produkt kann die Evidenz über Studien, Versorgungsdaten oder andere geeignete Nachweise erbracht werden. Bei einer vorläufigen Aufnahme muss der Nachweis innerhalb der vorgesehenen Erprobungszeit nachgereicht werden. Das verschiebt Kosten nicht nach außen, sondern in einen klaren späteren Projektabschnitt.

Die Spanne ist entsprechend groß: Für Studienplanung, wissenschaftliche Beratung, Durchführung, Datenauswertung und Publikation können 80.000 bis mehrere hunderttausend Euro anfallen. Eine randomisierte kontrollierte Studie mit mehreren Zentren ist nicht mit einer kleineren, sauber geplanten Untersuchung vergleichbar. Welche Evidenz angemessen ist, hängt von Indikation, Risiko, Endpunkten und bestehender Datenlage ab.

Auch die BfArM-Einreichung selbst braucht Ressourcen. Die Unterlagen müssen konsistent sein: Produktbeschreibung, Datenschutz, Informationssicherheit, Interoperabilität, Qualitätssystem, klinische Bewertung und Nachweise zum Versorgungseffekt. Hier ist fachliche Koordination oft wertvoller als zehn weitere Abstimmungsrunden. Unklare Zuständigkeiten kosten Zeit - und Zeit kostet im regulierten Projekt unmittelbar Geld.

Beispielbudgets: Vom klaren MVP zur Versorgungsplattform

Ein fokussiertes DiGA-Vorhaben für eine klar definierte Indikation kann mit etwa 250.000 bis 350.000 Euro starten, wenn Produktlogik, Inhalte und Studienansatz gut vorbereitet sind. Enthalten wären typischerweise Konzept, UX, Cross-Platform-App, Backend, Sicherheitsgrundlagen, Dokumentation und Unterstützung bei der regulatorischen Vorbereitung. Die Evidenzstudie und der laufende Betrieb kommen je nach Ansatz teilweise zusätzlich hinzu.

Bei 400.000 bis 700.000 Euro bewegen sich Projekte mit stärkerer Personalisierung, mehreren Nutzerrollen, einem professionellen Fachportal, komplexeren Inhalten und Schnittstellen zu Drittsystemen. Diese Kategorie ist häufig realistisch, wenn aus einer guten Produktidee ein belastbares Versorgungsangebot werden soll.

Oberhalb davon liegen Programme mit mehreren Indikationen, umfangreicher klinischer Forschung, internationaler Ausrichtung oder tiefen Integrationen in die Versorgungslandschaft. Hier hilft keine grobe App-Kalkulation. Benötigt wird eine Roadmap, die Produktentwicklung, Evidenz, regulatorische Meilensteine und Betrieb gemeinsam plant.

Die laufenden Kosten gehören in die erste Kalkulation

Mit der BfArM-Listung endet die Arbeit nicht. Betrieb, Updates, Sicherheitsüberwachung, Support, Backups, Hosting, Monitoring und die Weiterentwicklung für neue Betriebssystemversionen sind feste Bestandteile eines DiGA-Geschäftsmodells. Als Orientierung können jährlich 15 bis 25 Prozent der initialen Entwicklungskosten für Wartung und Weiterentwicklung sinnvoll sein. Bei hohem Supportaufkommen, vielen Integrationen oder regelmäßigen Inhaltsupdates kann der Anteil höher liegen.

Wichtig ist die Trennung zwischen Betriebsbasis und Produktentwicklung. Die Betriebsbasis hält das System sicher und verfügbar. Produktentwicklung schafft neue Funktionen, verbessert die Adhärenz oder reagiert auf Erkenntnisse aus der Versorgung. Werden beide Budgets vermischt, bleibt entweder der Betrieb unterfinanziert oder die Weiterentwicklung kommt zum Stillstand.

So wird das DiGA-Budget belastbar

Ein belastbares Budget entsteht nicht aus einem Funktionskatalog allein. Es braucht eine gemeinsame Sicht auf medizinische Ziele, Zielgruppen, vorhandene Daten, technische Abhängigkeiten und den Evidenzpfad. Gerade bei etablierten Organisationen lohnt sich ein genauer Blick auf bestehende Systeme: Wo liegen Nutzerdaten? Wer bearbeitet Supportfälle? Welche Rollen benötigen Zugriff? Welche Prozesse laufen noch in Excel, E-Mail oder getrennten Tools?

Ein guter Projektstart definiert außerdem, was bewusst nicht in Version eins gehört. Das ist keine Einschränkung der Vision, sondern Risikomanagement. Ein klarer Kern mit sauberer Dokumentation, sicherem Betrieb und messbaren Endpunkten ist für eine DiGA wertvoller als ein überladener Funktionsumfang ohne belastbaren Nachweis.

Inter Medien Networks begleitet solche Vorhaben von der Produkt- und Systemkonzeption über UX, App- und Backend-Entwicklung bis zum langfristigen Betrieb. Entscheidend bleibt dabei eine ehrliche Einordnung: Nicht jede technische Idee braucht sofort eine große Plattform, aber jede DiGA braucht einen Plan, der auch nach dem ersten Go-Live trägt.

Wer die Kosten einer DiGA früh in Produkt, Evidenz und Betrieb aufteilt, schafft nicht nur bessere Budgettransparenz. Er schafft die Voraussetzung dafür, dass aus einer App ein verlässliches Angebot für Patientinnen und Patienten wird.

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